Diebstahl
Schon das Mitführen eines Taschenmessers kann einen Ladendiebstahl zum schweren Diebstahl machen.
Tatbestand & Strafrahmen
Wegnahme einer fremden beweglichen Sache in Zueignungsabsicht. Strafrahmen: Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe.
Qualifikationen
- § 243 StGB – besonders schwerer Fall: u. a. Einbruch, Aufbrechen von Behältnissen, gewerbsmäßiges Handeln
- § 244 StGB – Diebstahl mit Waffen, Bandendiebstahl, Wohnungseinbruchdiebstahl: seit 2017 Mindeststrafe 6 Monate
- § 244a StGB – schwerer Bandendiebstahl
Entfernen eines Sicherungsetiketts
Das Entfernen, Deaktivieren oder Umgehen eines elektronischen Sicherungsetiketts wird als Überwindung einer "anderen Schutzvorrichtung" (§ 243 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 StGB) gewertet. Ein zunächst einfacher Ladendiebstahl wird dadurch zum besonders schweren Fall – auch bei geringem Warenwert.
Mitführen einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeugs
Nach § 244 Abs. 1 Nr. 1a StGB genügt es, dass der Täter bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt – ein Einsatz ist nicht erforderlich. Die Rechtsprechung stuft auch ein gewöhnliches Taschenmesser regelmäßig als "anderes gefährliches Werkzeug" ein. Wer beim Ladendiebstahl "nur" sein privates Taschenmesser dabei hatte, sieht sich damit unter Umständen bereits einer Anklage wegen Diebstahls mit Waffen gegenüber – Mindeststrafe 6 Monate statt möglicher Geldstrafe.
Abgrenzung zu ähnlichen Delikten
Unterschlagung (§ 246 StGB) erfordert keine Wegnahme; Raub (§ 249 StGB) zusätzlich Gewalt oder Drohung.
Verteidigungsstrategie
- Prüfung der Zueignungsabsicht
- Prüfung, ob ein Gewahrsamsbruch wirklich vorlag
- Bei § 244 StGB: Prüfung, ob der Tatort tatsächlich eine geschützte "Wohnung" war
- Prüfung, ob das Sicherungsetikett wirklich funktionsfähig war bzw. der mitgeführte Gegenstand tatsächlich als gefährlich einzustufen ist
- Gerade bei § 244 StGB ist wegen der hohen Mindeststrafe die Verteidigung durch einen Fachanwalt für Strafrecht von besonderem Gewicht. Rechtsanwalt Michael Erath ist Fachanwalt für Strafrecht.
Häufige Fragen
Ist ein Diebstahl auch bei geringem Wert strafbar?
Ja, bei geringwertigen Sachen (§ 248a StGB) ist aber ein Strafantrag oder besonderes öffentliches Interesse erforderlich.
Was gilt als "gewerbsmäßig" beim Diebstahl?
Wiederholte Begehung in der Absicht, sich eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen.
Macht sich strafbar, wer ein Taschenmesser immer dabei hat und beim Ladendiebstahl erwischt wird?
Ja, potenziell schon – entscheidend ist objektiv das Mitführen, nicht die Verwendungsabsicht.
Ist das Entfernen eines Etiketts auch strafbar, wenn die Ware nicht mitgenommen wurde?
Dann bleibt es beim Versuch, strafbar aber milder zu beurteilen.
Was, wenn ich die Sache nur "ausleihen" wollte?
Ohne Zueignungsabsicht fehlt ein zentrales Tatbestandsmerkmal.
Warum ist die Mindeststrafe beim Wohnungseinbruchdiebstahl so hoch?
Der Gesetzgeber hat 2017 die Privatwohnung als Rückzugsraum besonders geschützt.